Geschichten/Erzählungen

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Bis dahin ...


Unten ist wie oben


Ich stieg hinab aber da war nichts, also ging ich wieder hinauf. Ich hielt kurz inne, blickte auf die Uhr, eine fast unbewusste Geste, mir Zeit und Raum versichernd.Wie? Nichts? Da unten musste doch etwas sein. Irgend etwas. Ein Fundament mindestens. Eine Grund. Ein Boden. Aber Nichts? Gar Nichts? Und so stieg ich wieder hinab. Und da war immer noch nichts.

Ich stand da und blickte mich um und lauschte in die Stille und spitzte alle Sinne und suchte nach etwas, was ich dem Nichts entgegensetzen konnte. Aber da war wirklich nur und vor Allem nichts. Wirklich? Kann nichts wirklich sein?Ist nicht das Wirken dem Etwas vorbehalten? Bin ich wirklich? Bin ich noch wirklich, wenn ich im Nichts bin? So stand ich da aber stand ich? Kein Boden, kein Horizont, kein Himmel, keine Sonne. Stand ich? Lag ich? War es möglich, dass beides gleichzeitig wahr war? Wer nahm die Perspektive ein, dies zu beurteilen, wenn nicht ich? So blickte ich an mir hinab, aber da war nichts. Vielleicht blickte ich an mir hinauf, vielleicht an mir vorbei, vielleicht durch mich hindurch? War es überhaupt möglich, ohne Referenz zu sein. Ist ein Sein im Nichts denkbar? Bin ich möglich? Cogito ergo sum- Verzweifelt klammere ich mich an meine Gedanken, doch die Gedanken verzweifeln ihrerseits. Muss ich das Nichts als den Grund annehmen? Die Schwierigkeit, ein Ich aufrechtzuhalten, wenn das Bezugssystem fehlt, wird einem ja immer erst bewusst, wenn man in die Situation kommt, dass nichts mehr da ist.


Da steht ,sitzt, liegt oder was auch immer man dann und denkt sich immer weniger und irrt durch sich und spürt Erinnerungen nach. Und so verlor ich mich in mir und es wurde still.  

Erst war es ein Rauschen. Kammerflimmern. Punktsalat. Quantenschaum. Interferenzschleifen im Chaos. Eine Unentschiedenheit zwischen Sein und Nichtsein. Unser Gehirn ist ein Computer. Der Genotyp ist Blockchain Technology. Jede Schnittstelle kennt nur an oder aus. Kennt nur eine einzige Information und reitet auf der Welle. Wahr-nehmung und Wirk-lichkeit bezieht sich nicht auf das Sein. Lediglich auf die Veränderung von Information. Am Anfang war nur Logos. Es braucht nicht mehr, als zwei willkürlich gewählte Koordinaten unterschiedlich zu bewerten und der Anfang von allem ist gemacht. Und ich sprach, es werde Licht und es wurde Licht. Ich folgte den Punkten und machte sie damit zu Linien und zwischen den Linien entstand Raum. Und in dem Raum begann das Spiel der Möglichkeiten. Und in einer Welt, die nur aus Schaltern besteht, die nur aus und an kennen, definiert sich jede Möglichkeit nur über ihren Gegensatz.Und so stellte ich der Dunkelheit das Licht gegenüber und spiegelte es und spiegelte es und leuchtete alles aus bis es mir wieder und wieder die Dunkelheit zeigte. Und ich zog mit flammendem Wagen. Folgte der Sonne, dem Mond und den Sternen. Ging und verging. Ein Pendel in die Ewigkeit gehängt. Und beobachte  platonische Körper in lustvollem Rausch alterierender Selbstreferenzialität, Kreistänze, Jungfrauenopfer und Orgie. Und Knochenketten erinnern mich an meine Ahnen. Und das Totem leitet mich durch meine Träume.

Und der Wolf heult, die Ameisen schützen den Staat und das Blatt im Herbst im Wind folgt der Bahn, die der Schmetterling im ersten Frühlingstaumel hinterließ. Ich baute Pyramiden aus Steinen, aus Menschen und aus Bedeutung. Und jede Stufe brachte mich  den Anunna näher, jedes Labyrinth  bot mir Beischlaf mit Isis, mit Leda, mit Abraxas. Jeder Zirkelschluss machte mich zu Sisyphos, aus jeder Schlange machte ich einen Knoten, jeder Schlusstein bedeutete meinen Tod und machte mich frei.

Die Grashalme wiegen sich, Bakterien teilen sich, die Pole  meiden sich, die Glut erlischt und dann hört es auf zu regnen. Der Hahn kräht. Eine Kutsche zieht vorbei und der Kutscher zieht den Hut. Meine Großmutter hat Kirschkuchen gebacken und beiläufig aus dem Fenster auf's Wasser geblickt. Großvater ist im Fischteich ertrunken. Saigon heißt heute Ho-Chi-Minh-Stadt und hat das Gesicht verändert und ist ungefähr 9661 km Luftlinie von Anchorage entfernt. Das ist gut zu wissen, wenn ich von dem einen Ort zu dem Anderen reisen möchte. Immer wieder zitieren wir das Alte Testament, Geschichten aus Tausendundeine Nacht oder Das Lied von Eis und Feuer. Morgen könnte sich alles ändern.

Und ich entspringe der Muschel, schaumgeboren und vereint. Und ich sehe die Welt im Spiegel und ich sehe dich im Spiegel. Und so Du diese Zeilen liest, wirst du Teil meiner Wirklichkeit. Die nichts ist. Wie ich. Hast du jemals etwas außerhalb von dir selbst wahrgenommen? Und so gingst du wieder hinauf und vergaßt, dass nichts gewesen war.





Ananse (...)- Platzhaltertext- (Einleitende Worte der 'Wüstennovelle)

Büchsenfleisch. Siebzehn Dosen. Lysander trug die Beute zu ihrem Vorrat welcher vor allem aus Reis, getrockneten Maniok und einer Kiste Kokosnüssen bestand. Er notierte den Fund. Bei aller Freude über die gewonnenen Proteinreserven, zweifelte er doch, dass ihr Proviant reichen würde, um die kommenden Wochen zu überstehen. Sie würden durch keine größeren Siedlungen kommen, bis sie am Wasser waren. Bis zum Niger waren es noch etwa dreihundert Kilometer und weitere achthundert würden sie auf dem Fluss zurücklegen, - sollten sie Glück haben und würden ein Schiff oder ein Floss auftreiben können. Und selbst, wenn sie es lebend nach Timbuktu schafften, hatten sie noch keinen Plan, wie sie die Station der Deutschen in der Wüste erreichen sollten. Das Fieber war letzte Nacht wiedergekommen und im Gesicht und auf den Händen zeichneten sich nun kleine violette Flecken ab. Er war sich nicht einmal sicher, dass er die nächste Woche überleben würde. Seit sie in Accra aufgebrochen waren, hatte der Tod sie überallhin begleitet. Tausende und Tausende waren gestorben. Sie lagen am Wegesrand, auf den Feldern, in den Dörfern. Sie hatten es schließlich aufgegeben, die leblosen Körper zu verbrennen. Lysander blickte aus dem zerbrochenen Fenster der Wellblechbaracke. Ein Windhose fegte über die Straße. Ein Wirbel aus Hitze und Sand. Dann schlug ihm das Fieber erneut hinter die Stirn und er erbrach sich.

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Sahara, baḥr bilā māʾ, das Meer ohne Wasser. Terra Deserta. Wüst und verlassen. Neun Millionen Quadratkilometer Steine, kleinere Steine und sehr kleine Steine welche im Sonnenlicht dampfen. Glühen. Schmelzen. Verschwimmen. Hitzeflimmern. 2016 hatte König Mohammed VI von Marokko den ersten Noor Solarkomplex eingeweiht. Mit Fertigstellung von Noor II, III und IV wurden zwanzig Millionen Haushalte mit Strom versorgt. Desertec, Sirius Corp. und Alef al -kubrá waren gefolgt und hatten europäische und arabische Anlagen in die Wüste gesetzt. 2052 bezogen über drei Milliarden Menschen ihre Energie aus der Sahara.

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Als er erwachte, fand er sich im Schatten eines großen Baobab Baumes. Neben ihm schnarchte König Ato, der wohl eingeschlafen war, während er über Lysander hatte wachen wollen...